Ein verlässlicher Helfer

Als 1988 der fünfjährige, fuchsfarbene Zweibrücker aus dem Hänger stolperte, musste einfach jedes pferdebegeisterte Mädchenherz höher schlagen. Zumindest meins tat es, auch wenn ich nicht mehr ganz das kleine Pflegemädchen war. Elegant und temperamentvoll sah er aus. Mit langer Mähne und glänzendem Fell glich er einem edlen, feurigen Araber. Das hatte er wohl von seiner Mutter, einer Araberschimmelstute geerbt. Während sein Vater Golan ein Zweibrücker Rappe war. Herr Eßwein hatte den Wallach zur Probe auf den Reiterhof der Kinderhilfe gebracht. Leider blieb er nicht lange und wurde von seinem Züchter wieder abgeholt. Dieser stand bald darauf wieder vor der Tür und fragte, ob wir es nicht doch mit diesem Pferd probieren wollten. Auf Grund seiner Zwanghufe wolle es keiner haben. Also kam der Wallach ein zweites Mal auf den Hof gefahren. Nun wollte er aber partout nicht aussteigen. Frau Wanzek versuchte alle Tricks. Man wollte ihn sogar mit Hilfe eines Fahrgeschirrs aus dem Hänger ziehen, auch wartete man geduldig ob er nicht von allein rauskäme. Man gab auf und Herr Eßwein musste kommen. Dieser drehte - wohl gemerkt in einem schmalen Einpferdehänger (!)- das Tier um, so dass es halb rückwärts, halb vorwärts heraussprang. Diese Methode wurde mit den Jahren verfeinert, aber nie ganz aufgegeben. Der Züchter meinte, es habe schon seinen Grund warum er das Pferd „Grips“ genannt hat. Davon hätte es nämlich nicht sonderlich viel. Ich durfte mich um „Grips“ kümmern und merkte bald, dass er leicht autistische Züge hatte. Er war ein kleiner "Rühr-mich-nicht-an" und fühlte sich am wohlsten, wenn er genau wusste was auf ihn zukam - immer in der gleichen Reihenfolge Hufe auskratzen und die Lektionen beim Reiten bitte immer gleich aufbauen. Wahrscheinlich entwickelte er sich gerade deshalb zu einem hervorragenden Voltigierpferd - schließlich geht es da immer im Kreis herum. Er arbeitete mit und war eine wertvolle Hilfe bei der Durchführung des heilpädagogischen Voltigierens. Dies war auch seine Hauptaufgabe auf dem Reiterhof, die er zwanzig Jahre erfüllte. Grips Auch beim Reiten galt: Was er gelernt hatte, das saß - leider auch das Falsche. Ich kenne kein Pferd, das so korrekt im Kreuzgalopp galoppieren konnte, von rechts nach links, wieder zurück und umgekehrt. Er ließ sich aber auch in Dressur und Springen bis Klasse L ausbilden, beherrschte fliegende Wechsel und Seitengänge in allen Variationen. Er sprang gern, spielte mit Begeisterung Fußball und zeigte auf den Ausritten des Reitlagers in Tiefenthal, dass er jedem Rennpferd Konkurrenz machen konnte. Leider mussten wir uns in diesem Sommer von ihm verabschieden. Er wurde 25 Jahre alt. Ich habe „Grips“ viel zu verdanken. Er hat mich beim silbernen Reitab- zeichen und bei der Prüfung zum Amateurreitlehrer durch den Spring- parcours getragen. Er war mein Zaubererpferd auf der Weihnachtsfeier, Turnierpferd und Begleiter auf Lehrgängen. Auch einigen Reitschülern verhalf er zum Reit- und Longierabzeichen. Vor allem als Lehrpferd in den Reitstunden fehlt er mir - auch wenn er in jungen Jahren so manchen Reiter mit seinem Temperament zur Verzweiflung brachte. Annette Ehringer (Artikel aus der Hofzeitung 2008)

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