Voraussetzungen für den Reitunterricht mit Menschen mit Behinderung

Reiten als Freizeitsport gehört zu den unfallträchtigsten Sportarten. Dies liegt jedoch nicht so sehr an der Unberechenbarkeit des Pferdes, sondern vor allem an der Unkenntnis derer, die mit ihm umgehen. Nur wer über Kenntnisse in die Verhaltensweisen des Pferdes verfügt, kann das so genannte "Tierrisiko" auf ein Minimum beschränken und eventuelle Gefahrenquellen früh genug erkennen und ausschließen.

Für den Reitunterricht mit Menschen mit Behinderung heißt dies, dass das Pferdematerial, die räumlichen und personellen Voraussetzungen diesen speziellen Belangen angepasst sein müssen.

Grundlegende Rahmenbedingungen sind aus diesem Grunde:

  • eine genügend große Reithalle, in der Regel mit dem Maßen 20 X 40 m, die den Unterricht ohne Ablenkung durch äußere Einflüsse, wie perma-
    nente Unruhe oder ständige Lärmbelästigung erlaubt.

  • gepflegter, nicht zu tiefer Hallenboden und eine in die abgeschrägte Bande eingelassene Aufstiegshilfe wie z. B. eine Rampe, die gegebe-
    nenfalls zusätzlich mit einem Lift ausgestattet ist.

  • rollstuhlgerechte, beheizbare Aufenthaltsräume sowie entsprechende sanitäre Anlagen.

  • der Einsatz gesunder, ausgeglichener, artgerecht gehaltener und geeigneter Pferde. Auf einer soliden Grundausbildung aufbauend, sollten diese soweit gefördert sein, dass sie alle Lektionen auch am Langzügel beherrschen. Die Ausbildung sollte so vielfältig sein, dass eine Einhandzügelführung genauso willig akzeptiert wird wie die ein-
    seitige Schenkelhilfe beim Reiten mit Damensattel.

  • ein Reitlehrer mit Zusatzausbildung des Deutschen Kuratoriums für therapeutisches Reiten, der seine Pferde ihren Stärken und Schwächen gemäß einzusetzen weiß und der durch gut eingearbeitetes Hilfspersonal unterstützt wird.
    Er muss die behinderungsbedingten Einschränkungen und Schwierigkeiten seiner Reiter kennen und über besondere pädagogische Fähigkeiten verfügen. Er sollte den Unterricht in kleinste Lernschritte aufschlüsseln und in den methodischen Stundenaufbau vermehrt spielerische Übungen einplanen. Jede Stunde sollte mit vorbereitender Gymnastik beginnen und mit ausgleichenden Lockerungsübungen abschließen, wobei die Vermittlung auch nur "kleinster“ Erfolgserlebnisse für den Motivationserhalt von ausschlaggebender Bedeutung ist.

Alle Voraussetzungen für eine sinnvolle und verantwortungsbewusste Durchführung des Reitens als Sport für Menschen mit Behinderung sind sehr kostenaufwendig. Trotzdem sollte man auf den Einsatz von Provisorien die Gefährdungen darstellen grundsätzlich verzichten.

Im Reiterhof der KINDERHILFE e.V. bemühen wir uns seit nun mehr als fünfzehn Jahren um die qualifizierte Durchführung des Reitsports.

Ca. 18 in Größe und Breite sehr unterschiedliche Pferde, die gleichzeitig auch die Hippotherapie und das heilpädagogische Voltigieren abdecken, stehen für den Sport zur Verfügung, zwei hauptamtliche Ausbilder und 4 Honorarkräfte geben wöchentlich 20 Reitstunden.

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