Wirkung und Gesundheitswert des Reitens

Der Reitsport hat sportmedizinisch nachweisbare Auswirkungen auf alle Organsysteme, auf den Stütz- und Bewegungsapparat ebenso wie auf das Herz- und Kreislaufsystem.

Dem Menschen mit Behinderung, der aufgrund dessen noch mehr körperlicher Bewegung entbehrt, drohen durch Bewegungsmangel (z.B. im Wirbelsäulenbereich) zusätzliche Sekundärschäden. Da die psychische Entwicklung des Menschen parallel läuft zur körperlich-motorischen, resultiert aus der ungenügenden Bewegungserfahrung von Menschen mit Behinderung zusätzlich eine Retardierung im psychischen Bereich. Beidem vermag das Reiten entgegenzuwirken.

Was geschieht nun beim Reiten und was wird vom Reiter verlangt?

Reiter mit Behinderung müssen lernen, auf das Pferd einzuwirken, um es zur Fortbewegung, zum Anhalten, zum Gangart- oder Richtungswechsel veranlassen zu können. Diese Einwirkung durch Gewicht, Schenkeldruck und Zügel nennt man Hilfen. Während der Patient in der Hippotherapie lernen muss auf die Bewegungsimpulse des Pferderückens passiv zu reagieren, wird beim Reiten die aktive Einwirkung des Reiters auf das Pferd geübt.

Diese Hilfengebung, ihre richtige Dosierung und Koordination verlangt den ständigen Einsatz unterschiedlicher Muskelgruppen, der gelernt und trainiert wird. Das Ergebnis lässt sich an den Reaktionen des Pferdes ablesen. So erreichen wir beim Reiter mit Behinderung die Verbesserung seines Gleichgewichtes und die Kräftigung seiner Rückenmuskulatur. Reaktion, Koordination und Konzentration werden gleichzeitig geschult. Durch die Anpassung an die rhythmischen Schwingungen des Pferderückens lösen sich muskuläre Verspannungen einerseits, während bei schlaffem Muskeltonus Körperspannung aufgebaut und verbessert werden kann.

Das Pferd vermag seinem Reiter neue räumliche Dimensionen zu erschließen und vermittelt z. B. gerade im Gelände ein intensives Naturerlebnis, zu dem ein Mensch mit Behinderung durch seine eingeschränkte Eigenbewegung häufig keinen Zugang findet.

Dies bewirkt eine Steigerung des Selbstwertgefühls, was wiederum positiv in andere Lebensbereiche ausstrahlt. Der Erlebniswert und die Bewegungserfahrungen beeinflussen die geschädigte Psyche und bieten eine spezielle Kompensationsmöglichkeit.

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