Voraussetzungen für das sportliche Reiten

Der Weg zum Reiten von Menschen mit Behinderung führt meist über die Hippotherapie. Unter Aufsicht der Krankengymnastin wird ein ausreichendes Gleichgewicht sowie eine genügende Kopfkontrolle erarbeitet.
Die Beckenbeweglichkeit sollte das Einschwingen in die Bewegungen des Pferderückens auch in höheren Gangarten erlauben. Ist das Aussitzen im Trab nur schwer möglich, sollte man von Anfang an das Leichttraben üben, um Pferde mit weniger weichen Bewegungen oder empfindlichem Rücken zu entlasten.

Bei Spastizität der unteren Extremitäten, wie z. B. einer Diplegie, sollte die Spreizfähigkeit der Beine den Sitz ohne hochgezogene Knie ermöglichen. Die Zügelhaltung, unabhängig von der Körperbewegung, sowie die Greiffunktionen wenigstens einer Hand müssen gewährleistet sein.

Die Psyche des Reiters mit Behinderung sollte so belastbar sein, dass er auch eine eventuelle Auseinandersetzung mit dem Lebewesen Pferd verkraftet. Gerade in schwierigen Situationen muss der Reiter in der Lage sein, angemessen zu reagieren, d. h. das Pferd mit adäquaten Hilfen zu dominieren. Überschiessende Reaktionen auf ein vermeintliches Fehlverhalten des Pferdes sind ebenso wenig erwünscht wie mangelndes Durchsetzungsvermögen und sofortiges Aufgeben infolge von Mutlosigkeit. Der Reiter sollte in der Lage sein, die Verantwortung für sich und sein Pferd übernehmen zu können.

Der Wunsch zum Wechsel von der Hippotherapie zum aktiven Reiten kommt bei uns auf dem Reiterhof häufig vom Patienten selbst. Manchmal wird der Übergang zum Sport auch von der Physiotherapeutin angeregt, wenn die Hippotherapie beendet ist und die Therapeutin im Sport eine sinnvolle Fortführung ihrer Arbeit sieht. In jedem Fall wird der Übergang zum Sport im Behandlungsteam Arzt, Krankengymnastin und Reitlehrer besprochen und unter den oben angeführten Voraussetzungen befürwortet.

Kommt ein Mensch mit Behinderung ohne vorherige Hippotherapiebehandlung zum Reiten, so ist auch bei ihm die ärztliche Unbedenklichkeitserklärung Voraussetzung.

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