Rheinpfalz, 05 Mai 2009

Oase zwischen Neon-Werbetafeln


VEREIN(T) IN LU: Reiterhof Kinderhilfe seit 40 Jahren im Gewerbegebiet westlich der B9

Von Susanne Kraus

OGGERSHEIM. Bau- und Supermärkte, Zoohandlung und Pflanzenfachmarkt, Großparkplätze und Automassen findet man im Gewerbegebiet westlich der Bundesstrasse 9 in Oggersheim. Und dazwischen, ganz versteckt hinter großen Bäumen, hat sich eine Gemeinschaft ein Refugium erhalten: Der Reiterhof Kinderhilfe, der in diesem Jahr 40 jähriges Bestehen feiert.

Auf einem schmalen Weg, gesäumt von Apfelbäumen, begibt man sich mitten im Gewerbegebiet in eine andere Welt. Erntlang von Pferdekoppeln zwingen den Besuchern große Schlaglöcher zum Langsamfahren. Der eigentliche Hof liegt dahinter umringt von hohen Bäumen. Die Idylle wird nur durch die Autogeräusche der nahen Bundesstrasse 9 unterbrochen.

Rheinpfalz

Auf dem Gelände, einem ehemaligen landwirtschaftlichen Betrieb kümmern sich acht festangestellte Mitarbeiter und ebensoviel Honorarkräfte zusammen mit ehrenamtlichen Helfern um die Belange von Pferden, Vereins-
mitgliedern und Patienten, die das Gelände regelmäßig zur Hippotherapie oder zum heilpädagogischen Reiten und Voltigieren aufsuchen.

1969 aus einer Elterinitiative und noch ohne eigene Tiere entstanden, verfügt der Verein derzeit über 18 Pferde verschiedener Rassen und Größen. „Unsere Pferde sind alle speziell ausgebildet“, sagt Christine Wanzek-Heringer, die auf dem Hof aufgewachsen ist und nun als Reit- und Voltigierpädagogin tätig ist. Der Verein bilde Pferde selbst aus und würde die Tiere deshalb jung erwerben. Im Zusammenspiel zwischen Mensch und Tier können so sichtbare Erfolge erzielt werden.

Kinder nehmen bei der Therapie das Pferd mehr wahr als den Erzieher.

Beim heilpädagogischen Voltigieren lernen vor allem verhaltensauffällige Kinder – zum Beispiel mit Aufmerksamkeitsdefizit, Hyperaktivität oder sozialen Problemen – in einer Kleingruppe den Umgang mit dem Pferd. „Hierbei soll die soziale Kompetenz und die Konzentration gestärkt werden. Vertrauen wird auf- und Aggressionen werden abgebaut“ erklärt die Oggersheimerin.

Ohne Ehrenamtliche Helfer geht es nicht: Kassenwart Rolf-Peter Rosen führt das Pferd am Zügel, während Physio- und Hippothera-
peutin Inge Detzer mit einer Patientin im Gelände trainiert. Quell: Krauss

Das Pferd stehe im Vordergrund und das Kind ändere seine Verhaltensreaktionen, da es das Tier mehr wahrnehme als den Erzieher. „Das Pferde ist nicht voreingenommen, sondern dem Menschen zugewandt und freundlich“, sagt die Pädagogin.

Damit dies auch erhalten bleibt, sorge der Verein auch beim Pferd für Ausgleich unter anderem durch Koppelauslauf in Gesellschaft seiner Artgenossen.

Eine weitere Säule des Reiterhofes ist die Hippotherapie, die von Arzt verordnet und von einer speziell ausgebildeten Krankengymnastin durchgeführt wird. Patienten, die im Rollstuhl kommen, gelangen über eine Rampe zur Reithalle und werden dort mit einem speziellen Lift schonend und stressfrei auf das Pferd gehoben. Die vom Pferderücken übertragenen Schwingungsimpulse werden bei der Hippotherapie als Bewegungsstimulation eingesetzt, die auf Becken und Wirbelsäule einwirken und helfen, falsche Bewegungsmuskulatur zu korrigieren.

Privatpersonen oder Institutionen können Tierpatenschaften Übernehmen.

„Weil Krankenkassen die Maßnahmen nicht bezahlt und auch die Patienten die hohen Kosten oft nicht tragen können, sind wir auf Zuschüsse und Spenden angewiesen“, sagt Wanzek-Heringer. Privatpersonen und Institutionen können auch eine Tierpatenschaft übernehmen. Die sei sowohl über Einmalspenden als auch über einen monatliche Unterstützung möglich.

Der Reiterhof stehe aber nicht nur behinderten Personen offen. Alles Gruppen können auch integriert genutzt werden. der Spaß am Umgang mit dem Pferd stehe im Vordergrund. so könnten auch Kinder und jugendliche ohne Leistungsdruck ihren Fähigkeiten entsprechen entwickeln. Auch Wiedereinsteiger oder ängstliche Reiter könnten sich so ihrem Hobby wieder annähern.

Interessierte können den Reiterhof aufsuchen und sich beraten lassen oder sich am 09. Mai von 11:00 bis 15:00 Uhr am Informationsstand von dem sportgeschäft Decathlos ebenfalls im Gewerbegebiet westlich der B9 informieren. Hier stellt sich der Verein mit verschiedenen Darbietungen vor. Für kinder gibt es Ponyreiten und Kutschfahrten.

Die Serie
In der Serie „Verein(t) in LU“ stellen wir vereine und Gemeinschaften aus Ludwigshafener Stadtteilen vor.


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